DISTANČNÍ VÝUKA: Frankenwald-Gymnasium Kronach, Bayern

Dieses Interview würde mit Julian Baumgärtner aus Frankenwald-Gymnasium Kronach durchgeführt. (Danke für deine Zeit!)

Wie verläuft der Distanzunterricht an Ihrer Schule? Wie viel Zeit verbringen Sie mit online Stunden und wie viel mit lernen allein?

Tatsächlich hat sich die Organisation und Durchführung des Distanzunterrichts am Frankenwald-Gymnasium im Verlauf der COVID-19-Pandemie sehr verändert. Als die Bayerische Staatsregierung unter der Führung von Ministerpräsident Markus Söder im März 2020 aufgrund von rasant steigenden Infektionszahlen mit dem damals sehr neuen und völlig unbekannten Erreger SARS-CoV-2, besser bekannt als Coronavirus, einen flächendeckenden Lockdown für Bayern verkündete und die Schulen im gesamten Freistaat in den Distanzunterricht entsendete, waren Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gleichermaßen vor großen Herausforderungen gestellt. Die gesamte Schulgemeinschaft musste sich erst mit der neuen Situation zurechtfinden. Dank des Engagements von allen Beteiligten verliefen die ersten Wochen des neuen digitalen Unterrichts von zu Hause aus aber überraschenderweise sehr gut, auch wenn es zu der jetzigen Organisation deutliche Unterschiede gab. So wurde im Frühjahr und Sommer des  vergangenen Jahres fast vollständig auf Videokonferenzen und feste Zeitpläne nach dem klassischen Stundenplan verzichtet. Stattdessen haben die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Woche pro Fach ein Paket an Arbeitsaufträgen von den jeweiligen Fachlehrern erhalten. Darin enthalten waren oftmals Arbeitsblätter, aber auch vorgefertigte Hefteinträge oder Links zu Websites und Videos im Internet. Für die Bearbeitung der Arbeitsaufträge hatten die Schülerinnen und Schüler dann meist die gesamte Woche zur Verfügung und konnten sich die Zeit damit frei einteilen. Da sich die Schulleitung des FWGs bewusst war, dass nicht jede Familie die technischen Möglichkeiten für Videokonferenzen und Live-Schalten nach dem Stundenplan hat, wurde dieser Weg auch von der Schule für alle Lehrerinnen und Lehrer empfohlen, die Ausgestaltung lag aber bei den jeweiligen Lehrkräften. Die Kommunikation lief meistens über E-Mail ab, da offizielle Programme wie digitale Lernplattform Mebis des Freistaates Bayern oder der Schulmanager, der auch von unserer Schule genutzt wird, aufgrund des millionenfachen Ansturms oft überlastet waren. Im Großen und ganzen ist die Organisation aber sehr gut gelungen, was nicht zuletzt an unserer sehr engagierten Schulleitung liegt, die von Anfang versucht hat, den Distanzunterricht so gewinnbringend wie möglich zu gestalten.

Im zweiten Lockdown einige Monate später, der nun seit Dezember bis heute andauert, ist die Situation eine völlig andere. Haben zu Beginn der Pandemie im Frühjahr noch weitestgehend die einzelnen Schulen die Organisation übernommen, werden nun durch das Bayerische Kultusministerium, dem alle bayerischen Schulen formal unterstellt sind, viele Hilfestellungen angeboten. Die Politik hat über die Sommermonate wirklich geliefert. Eine ganz große Bedeutung kommt dabei einem Programm mit dem Namen Microsoft Teams zu. Das Kultusministerium hat für alle Schulen in Bayern die Möglichkeit geschaffen, dieses Tool ab dem neuen Schuljahr 2020 / 2021 zu nutzen. Auch das Frankenwald-Gymnasium setzt in der Organisation des zweiten Distanzunterrichts auf das Programm, wodurch nun die gesamte Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern auf einer Plattform gebündelt wird. Über Teams lassen die Lehrkräfte den Schülerinnen und Schülern Arbeitsaufträge digital zukommen, können Schüler direkt anschreiben und vor allem werden dadurch nun auf Videokonferenzen und damit digitale Unterrichtsstunden ermöglicht. Tatsächlich findet mittlerweile ein Großteil des Distanzunterrichts über solche Videokonferenzen statt, die zu den gewöhnlichen Unterrichtszeiten durchgeführt werden, wie das auch vor Ort in der Schule der Fall wäre. Daraus ergibt sich auch ein fester Zeitplan und der Unterricht zu Hause ähnelt immer mehr dem Präsenzunterricht in der Schule. Die Anwesenheit ist natürlich für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend, es können auch Noten erhoben werden und selbst Referate finden inzwischen digital statt. Ich persönlich verbringe einen Großteil der fest geplanten Unterrichtsstunden mit Videokonferenzen, im Schnitt rund 70 Prozent. In den anderen 30 Prozent der Unterrichtsstunden arbeite ich alleine an Arbeitsaufträgen, die wir vorher gestellt bekommen haben. Diese Einteilung bezieht sich allerdings nur auf die im Stundenplan festgelegte Zeit, Hausaufgaben und die Vorbereitung auf den Unterricht sind dabei nicht mit eingrechnet. Insgesamt wende ich täglich rund 5 Stunden für Videokonferenzen auf, weitere drei Stunden fallen für alle anderen Arbeiten an. Damit unterscheidet sich der Zeitaufwand im Distanzunterricht kaum von der Arbeitslast im Präsenzunterricht.

Können Sie Ihre Zeit organisieren?

Die Zeiteinteilung ist für mich kein Problem, das gesamte Zeitmanagement gestaltet sich aber dennoch schwierig. Schließlich gilt es eine Vielzahl an Aufgaben zu erledigen. Dazu gehört zu einem Großteil natürlich der schulische Bereich, aber auch durch die Tätigkeit als Chefredakteur unserer Schülerzeitung 1240 muss ich täglich viel Zeit in die Organisation der Redaktion investieren. Dazu kommen noch private Verpflichtungen. Deswegen arbeite ich tatsächlich oftmals bis spät in die Nacht. Das Hauptproblem ist ingesamt weniger die Einteilung der Zeit, sondern mehr der Stapel an Aufgaben, der oftmals nicht an einem Tag abgearbeitet werden kann, egal wie effizient man die Zeit managt.

Welche Vorteile sehen Sie an dem Distanzunterricht?

Der Distanzunterricht bietet neben seinen Herausforderungen tatsächlich einige Vorteile. Vor allem im Lockdown vom Frühjahr,  in dem die Zeit fast frei eingeteilt werden konnte, war es möglich, den Ablauf des Distanzunterrichts gezielt auf seine persönlichen Bedürfnisse und den eigenen Tagesablauf abzustimmen. Somit hat sich die Schule zum ersten Mal nicht nach einem Stundenplan sondern nach dem Leben der Schülerinnen und Schüler gerichtet, was eine sehr interessante Erfahrung war, denn dadurch ließ sich der Tag optimal ausnutzen und eine gute Balance zwischen Schule und Freizeit finden. Ein Frühaufsteher konnte so schon am frühen Morgen mit der Schule beginnen und war noch vor Mittag fertig, andere konnten ausschlafen und haben stattdessen am Nachmittag und Abend gearbeitet. Auch Sport war zwischendurch möglich, gerade im Sommer konnte die frische Luft am Morgen für Bewegung genutzt werden und Zeit für Schule blieb dann am heißen Nachmittag, der sonst eh verloren wäre.  Durch die feste Taktung im zweiten Lockdown hat sich dieser Vorteil leider wieder revidiert. Andere positive Effekte bleiben aber weiterhin. So spart man sich den anstrengenden und oftmals stressigen Weg zur Schule und zurück, wodurch schnell eine Zeitersparnis von einer Stunde und mehr erreicht werden kann. Dadurch kann man nicht nur länger schlafen und startet entspannter in den Tag, sondern auch das Klima wird geschont. Außerdem bleibt man vor der Hektik des Schulalltags  wie den lauten Pausen und den eiligen Raumwechseln verschont. Freistunden und Pausen können darüberhinaus effektiver genutzt werden, zudem wird die Ablenkung durch Mitschülerinnen und Mitschüler fast vollständig reduziert. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht umbedingt in einen stickigen und beengten Klassenzimmer sitzen muss. Stattdessen kann man zu Hase auf komfortablen Bürostühlen Patz nehmen und hat einen ganzen Schreibtisch, um seine Unterlagen auszubreiten. Noch besser ist, dass man seine eigene Lernatmosphäre selbst gestalten kann. Man kennt es vielleicht aus der Schule: Der eine will frische Luft und das Fenster aufmachen, dem anderen ist es kalt; das Fenster muss daher unbedingt geschlossen bleiben. Mit solchen Meinungsverschiedenheiten hat man zu Hause nicht zu kämpfen. Man bestimmt selbst über die Raumtemperatur, die Häufigkeit des Lüftens und selbst Musik im Hintergrund. Ich beispielsweise habe alle Fenster und Türen selbst im tiefsten Winter fast durchgehend offen, parallel dazu läuft im Hintergrund motivierende Musik. In den Sommermonaten lerne ich auch ganz oft auf der Terrasse oder im Garten und kann so die Natur genießen. Das alles macht das Lernerlebnis nicht nur effektiver sondern auch wesentlich angenehmer. Gerade in den Zeiten der COVID-19-Pandemie muss man sich im Homeschooling auch nicht vor einer Infektion mit dem Virus fürchten und spart sich den teuren Einsatz von FFP2–Schutzmasken.

Welche Nachteile sehen Sie an dem Distanzunterricht?

Bei all den Vorteilen hat der Distanzunterricht auch einige Nachteile. Zum einen trifft man seine Mitschülerinnen und Mitschüler kaum noch, dadurch hat man natürlich weniger soziale Kontakte. Gerade die informellen Gespräche sind das, was das Erlebnis Schule ausmacht. Die unverbindlichen Konversationen in den Pausen, im Stundenwechsel und in Freistunden fallen fast komplett weg, die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch haben sich erheblich verringert. Das ist auch für die Schulgemeinschaft eine herausfordernde Situation. Gerade das FWG ist für seine zahlreichen Arbeitsgemeinschaften, Veranstaltungen und Projekte bekannt. Wir sind eine echte „MitMach-Schule“. Das hat seit der COVID-19-Pandemie leider sehr gelitten, da sich viele Arbeitsgruppen durch den Distanzunterricht kaum noch treffen und austauschen können und auch klassische Veranstaltungen am FWG wie der Weihnachtsbasar und das Sommerfest mussten ausfallen. Auch wir bei der Schülerzeitung mussten unsere Arbeitsweise komplett auf digitale Kommunikationskanäle umstellen, nachdem die physischen Redaktionstreffen, meist alle zwei Wochen, nicht mehr stattfinden konnten. Dennoch bin ich sehr stolz darauf, dass die Schulgemeinschaft am FWG auch in der Pandemie durch zahlreiche Projekte zusammenhält und auch wir als Schülerzeitung haben im ‚Corona-Jahr‘ einige Erfolge vermeldet. Unsere Website ist besser aufgestellt als jemals zuvor, wir sind jetzt auf Instagram aktiv, haben sogar eine Auszeichnung für unser Engagement im Bereich Online erhalten.

Dennoch machen sich auch direkt in Bezug auf dem Unterricht einige Nachteile des Distanzunterrichtes bemerkbar. Während ich in vielen Fächern sehr gut mithalten kann, habe ich in anderen Bereich doch deutlich mehr zu kämpfen. Generell lässt sich feststellen, dass Schüler in den Fächern, in denen sie schon vor der Pandemie gut waren, weiterhin sehr gute Leistungen erzielen. In den bereits schlechteren Fächern hat sich durch den Distanzunterricht die Situation aber weiter verschärft. Die Unterschiede zwischen Fächern werden so größer. Außerdem darf man nicht vergessen, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler Zugang zu digitalen Medien haben, nicht alle zu Hause ungestört arbeiten können und nicht alle sich selbst den Stoff beibringe können. Auf lange Sicht fördert die Pandemie so das Ungleichgewicht, benachteiligt Kinder aus sozial schwächeren Familien und gefährdet so Chancengleichheit und Bildungserfolg. Auch wenn bei mir sowie bei vielen anderen die Vorteile des Distanzunterrichtes zumindest in Corona-Zeiten überwiegen mögen, muss man sich dieser Probleme sehr wohl bewusst sein und an ihrer Kompensation arbeiten.

Denken Sie, dass Sie während des Distanzunterrichts auch wirklich lernen? Formulieren Sie aus bitte.

Davon bin ich überzeugt. In vielen Fächern funktioniert der Distanzunterricht hervorragend und ich lerne effektiv mindestens genauso gut wenn nicht sogar mehr als im Präsenzunterricht in der Schule. In manchen Fächern ist die Situation schon schwieriger, aber dennoch zu bewältigen. Zusammenfassend kann man daher schon festhalten, dass Schülerinnen und Schüler auch im Distanzunterricht den im Lehrplan festgehaltenen Stoff verinnerlichen können. Allerdings sind hier auch klar die Kompetenzen der Lehrkräfte gefragt, die auch den Distanzunterricht ansprechend gestalten müssen. Nur so kann eine aktive Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sichergestellt werden. Ausreden sind hier fehl am Platz und gefährden langfristig den Bildungserfolg und die Zukunft der europäischen Volkswirtschaften.

An dieser Stelle ist es mir ganz besonders wichtig zu betonen, dass weniger Schule nicht umbedingt zu weniger „Lernen“ führt und führen muss. Diese Schlussfolgerung ist vorschnell und entspricht nicht der Realität. In keiner Weise bildet sie das Engagement und die Herausforderungen der Schülerinnen und Schüler in der COVID-19-Pandemie ab. Die Schülerinnen und Schüler mussten sich von einem Tag auf dem anderen komplett in ihrem Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten umstellen und haben diese neue Situation mit Erfolg bewältigt. In den vergangenen Monaten haben sie jede Menge neuer „Skills“ erlernen können. Sie haben damit ihre Fähigkeit zur Anpassung bewiesen, die gerade in einer sich immer schneller verändernden Berufswelt von größter Bedeutung ist. Der Disruption sind sie mit Innovation entschlossen und zielstrebig entgegengetreten. Die Zukunft ist ihnen sicher, selbst ein Europäisches Silicon Valley könnten wir ihnen in den nächsten Jahren zu verdanken haben. Außerdem wird das Plus an Freizeit, das es gerade in der ersten Phase des Distanzunterrichtes im Frühjahr und Sommer gegeben hat, nicht automatisch für Zeitverschwendung wie stundenlange Videospiele oder das ununterbrochene Streamen von Netflix genutzt, anders als das von Medien oft propagiert wird. Ich zum Beispiel habe im vergangenen Sommer mehr Bücher gelesen, als jemals zuvor – alle auf Englisch verfasst und zu teils komplexen wirtschaftlichen und politischen Themen. Zusammen mit den Zeitungen und Fachzeitschriften, die mich jede Woche erreichen, sind so mehrere Zehntausend Seiten zusammengekommen. Ich haben so in diesen Bereichen deutlich mehr gelernt, als das in der Schule der Fall gewesen wäre.

Was denken Sie über die Kameras bei Online Stunden? Müssen Sie die Kameras anhaben? Machen Sie sie an? Warum?

Ich stehe dem Grundgedanken hinter der Benutzung von Kameras während digitalen Konferenzen sehr offen und positiv gegenüber, auch wenn diese bayernweit nicht verpflichtend ist. Es ist einfach schön, die Mimik und Gestik seines Gegenübers zu sehen. Dadurch wird der Unterricht viel lebendiger. Ich würde es daher begrüßen, wenn mehr Schülerinnen und Schüler ihre Kamera benutzen werden. Bislang ist das nur in sehr wenigen Stunden der Fall, meist bin ich der einzige, der seine Kamera an hat. Aber auch ich muss zugeben, dass ich die Kamera inzwischen sehr oft deaktiviert habe, eben weil ich zumeist der einzige bin. Ein weiterer zugegeben nicht ganz rühmlicher Grund: In Stunden, die ich eher als weniger wichtig oder auch zu wenig anspruchsvoll erachte, habe ich die Kamera oftmals deaktiviert, um so nebenbei noch etwas anderes – natürlich produktives – machen zu können. Die so gewonnene Zeit investiere ich dann zum Beispiel in unsere Schülerzeitung. Von dem Unterricht bekomme ich selbstverständlich trotzdem noch genügend mit.

Haben Sie Motivation zu lernen? Hat sie sich im Lauf der Zeit verändert?

Ich verfolge große Ziele, meine Motivation zum Lernen ist daher nach wie vor unbegrenzt groß. Allerdings trifft das meist nur auf die Fächer und Themenbereiche zu, die ich auch als wichtig für meine Zukunft erachte, Englisch und Wirtschaft zum Beispiel. Sehr schade finde ich, dass im zweiten Lockdown wieder viel Unterricht in Fächern gemacht wird, die ich als wenig wichtig beurteile – Musik beispielsweise. Die darin investierte Energie würde ich viel lieber in eigene Projekte investieren, wie das im Frühjahr und Sommer möglich war. Das würde meine Motivation auch weiter steigern. Generell bin ich überzeugt, dass Schülerinnen und Schüler mehr Möglichkeiten haben sollten, ihre Schulzeit nach ihren Interessen auszurichten, wie es zum Beispiel in den USA der Fall ist. Da ist das ansonsten hervorragende bayerische Schulsystem zu wenig flexibel.

Wie würden sie das Niveau Ihrer psychischen Wohlbefinden während Distanzunterricht auswerten? Damit habe ich keine Probleme. Ich bin sehr zufrieden mit der aktuellen Situation und dankbar, dass das überaus erfolgreiche Corona-Management der Politik die schlimmen Bilder aus anderen Ländern bei uns verhindert hat. Leben zu retten sollte das wichtigste Ziel sein, vor diesem Hintergrund kann man schon einmal auf Partys verzichten. Meine täglichen Radtouren sind dabei ein wichtiger Ausgleich. Dennoch freue ich mich natürlich auf die Zeit nach der Pandemie. Ich möchte endlich wieder verreisen könne, Praktika machen und Freunde und Bekannte in München und Berlin treffen – zwei Städte, die ich seit dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr bereist habe.

Welche Struktur hat heutzutage Ihr Tag?

In der ersten Phase des Distanzunterrichtes im Frühjahr und Sommer habe ich das Bearbeiten der Arbeitsaufträge und Lernen an meine persönlichen Wünsche anpassen können. Ich bin jeden morgen um 7:30 Uhr aufgestanden und habe anschließend meine „Morgenrunde“ mit dem Rad gedreht, knappe 45 Minuten durch ein einsames und von Wald bedecktes Tal in meiner direkten Nachbarschaft. Danach war ich fit für den Tag. Im Anschluss daran folgte ein Frühstück auf der Terrasse in den ersten Sonnenstrahlen bevor es dann gegen 9 Uhr „zur Schule“ ging. Ich habe dann für zwei Stunden Arbeitsaufträge bearbeitet, danach bin ich zu einer nächsten Radtour aufgebrochen. Generell folgte der Tag dem Wechsel auf 4 – 5 Radtouren, Schule und Lesen. Diese Flexibilität habe ich jetzt nicht mehr. Stattdessen beginnt um 7:40 die Schule, durch die ich den ganzen Vormittag lang voll ausgelastet bin. Nach dem Mittagessen geht es dann, solange kein Nachmittagsunterricht ansteht, mit einigen Hausaufgaben weiter, bevor ich dann gegen Nachmittag zu meiner einzigen Radtour aufbreche. Direkt im Anschluss bin ich wieder mit Schule und Schülerzeitung beschäftigt, oftmals bis in den späten Abend hinein. Nachts lese ich dann noch solange wie möglich. An den Tagen mit Nachmittagsunterricht verschiebt sich der Tagesrhythmus leider um einige Stunden nach hinten.

Haben Sie irgendwelche Tipps für Abwechslung des Homeschoolings, die Sie auch anderen Schülern empfehlen würden?

Ich kann allen Schülerinnen und Schülern empfehlen, auf genug Bewegung an der frischen Luft zu achten. Bereits kurze Pausen mit Bewegung haben nachweislich einen positiven Effekt auf die Aufnahmefähigkeit des menschlichen Gehirns und tragen so erheblich zu dem Lernerfolg bei. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Bewegung auch den Kopf frei macht und so zum psychischen Wohlbefinden und zur langfristigen Leistungsfähigkeit entscheidend beiträgt. Außerdem sollte man sein Lernumfeld so angenehm wie möglich gestalten, dann ist man nicht nur effizienter, sondern das Lernen fällt auch leichter und macht mehr Spaß.

Mögen Sie Distanzunterricht? Wollen Sie zurück in den Präsensunterricht? Warum?

Im Moment bin ich mit dem Distanzunterricht sehr zufrieden. Im Allgemeinen funktionieren das Lernen darüber sehr gut, gleichzeitig muss man sich keine Sorgen um eine mögliche Infektion mit COVID-19 machen. Zudem gibt es im Distanzunterricht keine schriftlichen Leistungsnachweise wie Schulaufgaben oder Klausuren. Ich wünsche mir daher, dass wir noch mindestens bis zu den Osterferien im Distanzunterricht verleiben, begrüße es aber auch, wenn die Lehrkräfte den Schülerinnen und Schülern mehr Raum für ihre eigenen Interessen gewähren. Für die Zeit nach Ostern kann ich mir Wechselunterricht vorstellen, dabei geht die Hälfte der Klasse in die Schule, die andere Hälfte bleibt zu Hause. Danach wird getauscht. So können die Schülerinnen und Schüler wieder die Schule besuchen und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler treffen, gleichzeitig wird das Ansteckungsrisiko aber reduziert. Außerdem lässt sich durch die reduzierte auch leichter Lernen, der Unterricht wird angenehmer. Allerdings wünsche ich mir einen Wechselunterricht in wöchentlichen Wechsel, nicht wie derzeit geplant im Tagesrhythmus. Auf schriftliche Leistungserhebungen kann ich natürlich bis auf weiteres Verzichten.

Haben Sie irgendwelches Motto für diese nicht leichte Zeit?

„Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten“

Wir alle gehen gerade durch schwierige Zeiten. Wir sollten aber nicht die Hoffnung und den Mut verlieren. Es werden wieder bessere Zeiten kommen und umso besser wir uns an die momentanen Einschränkungen halten, umso eher kann ein Ende der Pandemie erreicht werden. Die Zukunft liegt in unseren Händen.

Vor diesem Hintergrund wünsche ich allen, dass sie die Herausforderungen der COVID-19-Pandemie meistern und vor allem gesund bleiben.